Verlässlich und treu – Interview mit Schauspieler Peter Heinrich Brix
Warum sind Sie kein Hollywoodstar geworden?
Peter Heinrich Brix: (lacht) Diese Frage wird mir relativ selten gestellt. Der Oscar ist ja nicht das einzige Regulativ für Erfolg oder – anders gesagt – für gut überleben können.
Während seine Kollegen die Indizien begutachten, lässt der Polizist Robert (Peter Heinrich Brix, Mitte) sich von seinem Instinkt leiten.
Peter Heinrich Brix: Eben. Ohne Oscar. Auch was deutsche Fernsehpreise angeht – ich finde auf diesen Ebenen nicht statt.
Warum eigentlich nicht?
Peter Heinrich Brix: Das hat etwas mit den Formaten zu tun, in denen man spielt, und auch mit Trends. Das nach meiner Meinung entscheidende Regulativ ist: hast Du zu tun oder nicht, gibt es noch Dinge, die Dir Spaß machen oder nicht. Ich sehe das eher pragmatisch.
Sie machen ja auch nicht gern Schulden…
Peter Heinrich Brix: (Gedehnt) Neee. Der Mensch als solcher sollte bestrebt sein, nicht so viele Schulden zu machen.
Eigentlich will Robert (Peter Heinrich Brix) sich von der Friseurin Rita (Anica Dobra) nur die Haare schneiden lassen – aber dann wird viel mehr daraus…
Peter Heinrich Brix: Die ist da, aber leider verkümmert, nicht gefördert.
Steckt auch etwas von einem wilden Mann, vielleicht sogar einem Rebellen in Ihnen?
Peter Heinrich Brix: Rebell, also das glaube ich nicht. Aber manchmal etwas gegen den Strich gebürstet, das trifft es schon.
Sie können auch den Dickschädel herauskehren?
Peter Heinrich Brix: Ich weiß schon an einigen Stellen meine Interessen zu vertreten.
Der Mann, der alles kann
26.01.2012, 20:15, ARD Alle Fotos: "ARD Degeto/Carsten Schick"
Robert Hellkamp ist Mitte 50 und Kriminalpolizist bei der Mordkommission im LKA Niedersachsen. Ein sympathischer Mann, ordnungsliebend, immer korrekt gekleidet, aber eben einer, dessen Potenzial für die meisten erst auf den zweiten Blick erkennbar ist. Außerdem ist er nicht der Mutigste – bis er IHR begegnet. Die Frau seines Lebens erkennt Hellkamps Besonderheit auf den ersten Blick und setzt Kräfte in ihm frei, von denen er selbst nicht wusste, dass er sie hat. Aus dem schüchternen Kriminalbeamten wird ein Mann, der alles kann.
Haben Sie noch Ihren Bauernhof?
Peter Heinrich Brix: Ja.
Sie sind mit der Scholle verwurzelt?
Peter Heinrich Brix: Ja sicher. Das ist doch wichtig, anständige Wurzeln zu haben. Was nützt sonst das schönste Haus, wenn es kein anständiges Fundament hat. Es steht schief, und du kannst es nicht gebrauchen.
Eigentlich wollten sie nur zusammen essen – nun haben Robert (Peter Heinrich Brix) und Rita (Anica Dobra) die Fährte eines gesuchten Verbrechers aufgenommen.
Peter Heinrich Brix: Selbst mein guter Freund und Kollege Ottfried Fischer hat es bis heute nicht herausgefunden. Es ist ein Familienbetrieb, und ich habe die Verantwortung vor über 20 Jahren in andere Hände gelegt. Eine Familie bewirtschaftet jetzt den Hof. Es wird konventionell betrieben mit Schweinemast und Ackerbau.
Sie schustern da immer noch Geld hinein?
Peter Heinrich Brix: Das habe ich nie machen müssen!
Sie hängen auch an diesem Betrieb?
Peter Heinrich Brix: Ja sicher. Das ist ja ein Teil meines Lebens. Ich war gerne Landwirt und bin ja erst mit 34 Jahren da weggegangen. Da entdeckte ich die Freude am Schauspielen und habe dies weiter verfolgt.
Gibt es Nachkommen, an die Sie den Betrieb weitergeben können?
Peter Heinrich Brix: Ich bin sehr sparsam mit privaten Informationen. Aber ich kann Ihnen verraten: ich habe keine Kinder.
Wie stark wurde Sie vom Vater geprägt?
Peter Heinrich Brix: Sicher sehr stark. So eine gesunde bürgerliche Existenz ist schon etwas Gutes. Da sind wir wieder bei den Fundamenten. Wenn man auf einem landwirtschaftlichen Betrieb groß wird, ist der Vater natürlich mehr zugegen.
War er streng?
Peter Heinrich Brix: Die Strukturen waren klar erkennbar. Da gab es schon ein paar Abmachungen, an die man sich besser gehalten hat. Man hat schon versucht, die Gören auf Kurs zu kriegen, aus tiefer innerer Überzeugung und Liebe.
Wieviele Gören waren es denn?
Peter Heinrich Brix: Ich hatte noch eine ältere Schwester.
Der Macho-Polizist Horst Hoff (Ralph Herforth, vorne) ist das genaue Gegenteil seines sanftmütigen Kollegen Robert (Peter Heinrich Brix).
Peter Heinrich Brix: Wenn ich mich nicht privilegiert fühlen darf, dann weiß ich nicht wer sonst. Es gibt keinen Grund, sich über mein Schicksal zu beklagen. Ich habe viel riskiert, als ich mit 34 als Landwirt Schauspieler wurde. Da war das Gelächter nicht weit.
Falls es mit der Schauspielerei schief gegangen wäre – Sie hätten ja jederzeit wieder auf den Hof zurückkehren können?
Peter Heinrich Brix: Nee, das ging nicht mehr. Der Hof wurde dann von einem Nachfolger bewirtschaftet. Ich war draußen, aber natürlich hatte ich auch keine Verantwortung mehr für den Hof. Es gab also keine Rückversicherung. Als freier Schauspieler unterwegs zu sein, geht nur, wenn man bedingungslos und mit vollem Einsatz am Ball ist. Mal so halb, das wird nichts.
Nun sind Sie als Kultfigur aus einer Kultsendung ausgestiegen, dem Großstadtrevier. Andere Schauspieler würden sich die Finger nach einer solchen Rolle lecken.
Peter Heinrich Brix: Es waren 14 Jahre, eine schöne und wichtige Spanne in meinem Leben. Ich habe sehr lange darüber nachgedacht, hatte aber den Eindruck, dass die Zeit um ist. Man muss Raum schaffen für neue Dinge. Das spürt man dann irgendwie.
So grüblerisch?
Peter Heinrich Brix: Klar, ich denke jeden Tag über die Dinge nach, wie sie sich entwickeln, was passieren könnte. Das muss man doch.
Na ja, andere leben einfach in den Tag hinein.
Peter Heinrich Brix: Das hat dann aber auch Konsequenzen.
Der liebe Gott wird’ s schon richten…
Peter Heinrich Brix: Und wenn er es nun nicht richtet? (lacht) (Anmerkung: typisch Stier)
Unterstützt von seinem Kollegen Ludger (Lars Rudolph, li.) gaukelt Robert (Peter Heinrich Brix) seinem Schwarm Rita (Anica Dobra) vor, er sei ein hohes Tier beim LKA.
Peter Heinrich Brix: Ja sicher! Die habe ich schon abgeschlossen, als ich auf dem Hof war. Da brauchst du auch eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung.
Die echten Stiere sind da schon vorsichtig. Würden Sie sich auch als beharrlich und zäh beschreiben? Auch als Dickschädel?
Peter Heinrich Brix: Das mit dem Dickschädel würde ich nicht unter beharrlich und zäh einsortieren. Aber ich bin beharrlich und zäh und kontinuierlich am Werk. Aber mit dem Kopf durch die Wand, das versuche ich zu vermeiden. Denn das ist rein emotional gesteuert und führt nicht zum Erfolg, bringt auch keine Freude. Besser ist es zu überlegen, wo die Tür ist und dort durchzugehen.
Sie sind noch lenkbar?
Peter Heinrich Brix: Das bilde ich mir ein. Zumindest hat sich ein Regisseur noch nicht darüber beklagt.
Worüber hat er sich denn beschwert?
Peter Heinrich Brix: Nun ja, es gibt ja auch inhaltliche Auseinandersetzungen. Und da kann meine Beharrlichkeit auch anstrengend werden. Natürlich versuche ich, mich an Drehbüchern zu beteiligen. Wenn man das Glück hat, eine Hauptrolle zu spielen, liegt es doch im Interesse aller sich abzustimmen.
Robert (Peter Heinrich Brix) schwört seinen Kollegen Ludger (Lars Rudolph, li.) darauf ein, ihn bei Rita zu decken, der er vorgaukelt, der Chef des LKA zu sein.
Peter Heinrich Brix: Kontinuierlich, würde ich mal sagen. Verlässlich ist, glaube ich, auch ein wichtiger Begriff. Für mich ist das elementar. Verlässlichkeit, Respekt, Vertrauen. Treue gehört dazu. Untreue ist keine respektvolle Handlung gegenüber der Partnerin.
Das riecht nach einer Ehe.
Peter Heinrich Brix: Ja, ja. Ganz bieder. Dazu gehören ja auch zwei.
In Ihnen tief drinnen steckt auch ein Romantiker?
Peter Heinrich Brix: Ja, sicher.
Bis hin zu Rosamunde Pilcher, auch etwas kitschig?
Peter Heinrich Brix: Nee, da bin ich sehr empfindlich. Ich habe immer Angst, dass man Gefahr läuft, kitschig zu werden. Ich mag das auch nicht. Die feine Ader jedoch, das Sensible, das braucht ein Schauspieler. Die Membrane wird ja mit jedem Jahr dünner. Da muss man etwas finden, wie man sich schützt, sonst kann das ein Problem werden.
Wie ist das genau mit der Membrane?
Peter Heinrich Brix: Eine Rolle nimmt man ja über den Bauch wahr. Da kann Kindheit hineinspielen, andere Probleme, die einen beschäftigen. Ich will damit nicht sagen, dass ich beim Rollenstudium in Weinkrämpfe ausbreche. Aber man empfindet mit, sonst wirkt man auch nicht glaubwürdig. Es ist ein Stück Identifikation, aber es bleibt die Kontrolle erhalten. Es ist schon ein gefährlicher Beruf, in dem man oft am Rand segelt. Man ist sein eigenes Produkt, alles dreht sich um einen selbst. Da muss man aufpassen, dass man die Welt um sich herum noch erkennt. Andererseits muss man sich wichtig nehmen, hegen und pflegen.
Einige landen dann bei der Flasche.
Peter Heinrich Brix: Erfolg und Misserfolg, beides kann dazu führen.
Sie sind aber zu bodenständig, um in Gefahr zu geraten?
Peter Heinrich Brix: Man sollte nicht glauben, dass es einen nicht betrifft und sich da ausnehmen. Aber es hilft natürlich schon, wenn die Eltern nicht Alkoholiker waren.
Trotzdem sind Sie schon mit einem Brummschädel aufgewacht?
Peter Heinrich Brix: So lange man den noch hat, ist es ja auch in Ordnung. Die Problematik fängt ja an, wenn Du morgens keinen Schädel mehr hast. Es gab schon Zeiten, wo ich nicht ungefährdet war.
Tatsächlich?
Peter Heinrich Brix: Ich hab ja auch die Kurve gekriegt. Aber mit dem Feuer gespielt habe ich schon. Man gerät da so hinein. Macht ja auch Spaß, um die Häuser zu ziehen und sich einen hinter die Binde zu kippen.
Robert (Peter Heinrich Brix, re.) und Ludger (Lars Rudolph, li.) haben den kriminellen Tim (Philipp Danne) nach einem langen Katz-und-Maus-Spiel endlich geschnappt.
Peter Heinrich Brix: Das sind die ganz kleinen Dinge. Es kann ein Schmetterling sein. Bei mir ist es oft die Natur.
Und die Partnerin können Sie sich immer noch schön gucken?
Peter Heinrich Brix: Also das dürfen wir jetzt nicht laut sagen. Sie IST schön. (Lacht)
Lieben Sie den englischen, schwarzen Humor?
Peter Heinrich Brix: Dafür bin ich eher nicht der Kandidat. Den Mutterwitz schätze ich. Die Komik finde ich am schönsten, wenn sie aus der Tragik wächst. Wenn die Komik anrührt, das ist für mich das Schönste.
Wie sieht es mit der narzisstischen Tendenz bei Ihnen aus?
Peter Heinrich Brix: Nicht vorhanden (lacht).
Sie machen einen gemütlichen Eindruck, so jemand, mit dem man in der Kneipe über Gott und die Welt klönen kann
Peter Heinrich Brix: Das mach ich sehr gerne. Klingt gut.
Was kann Ihr Blut so richtig in Wallung bringen?
Peter Heinrich Brix: Das sind die verschiedensten Dinge. Es kann auch sehr schnell gehen. Oft sind es die Kleinigkeiten im Leben, die alltäglichen Begebenheiten, obwohl es sich im Grunde gar nicht lohnt, sich darüber aufzuregen. Ich bin da emotionsgeleitet, manchmal an Stellen, wo es mir gar nicht so lieb ist. Ich kann schon sehr deutlich werden, wenn ich das Gefühl habe, jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, wo ich mich unmissverständlich ausdrücken sollte.
Da können Sie sich jemanden so richtig vorknöpfen?
Peter Heinrich Brix: (energisch) Ja! )(lacht) Das gehört doch zum Leben.
Haben Sie die Zeit mit Jan Fedder überstanden ohne zu rauchen?
Peter Heinrich Brix: Früher habe ich geraucht. Seit dem 6. September 1992 nicht mehr. Heute noch habe ich die letzte Zigarettenschachtel und auch den Aschenbecher. Ich glaube, den Abend davor habe ich noch gut gesoffen und gequalmt, und mir wurde klar, dass mich das umbringen wird. Ich weiß, dass man als normaler Raucher im Jahr etwa 10.000 Zigaretten qualmt. Das kannste ja mal ausrechnen. Ich bin heilfroh. Bald habe ich 200.000 Zigaretten nicht durch die Lunge geraucht.
Geld haben Sie auch gespart. Wo geben Sie es dann wieder aus?
Peter Heinrich Brix: Da sind wir sehr schnell wieder bei den Fundamenten. An einigen Stellen darf man es sich auch gern etwas komfortabler machen. Aber ich versuche schon das Haushalten. Das Risiko liegt im Job, und da muss man sich drauf vorbereiten.
Sie haben also schon für Notzeiten etwas gebunkert.
Peter Heinrich Brix: Ich habe nicht alles aus dem Fenster geworfen.
Gibt es da eine Schwachstelle, wo Sie denn doch mal bei den Ausgaben zulangen?
Peter Heinrich Brix: Ich bin da relativ diszipliniert, fast schon langweilig. Ich fahre einen schönen Volvo, aber der ist auch schon neun Jahre alt. Ich baller nix raus.
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