Interview mit der Schauspielerin Heike Trinker
Stubbe – Begleiterinnen ZDF 7. Januar 2012, 20:15 Uhr
Heike Trinker spielt die neue KTU-Kollegin "Marlene", die neben kompetenter Spurensuche auch noch nach und Nach Stubbes Herz erobert.. Foto: ZDF, Sandra Hoever
Heike Trinker: Zehn Semester habe ich studiert. Dann habe ich ein Urlaubssemester genommen,in dem ich geputzt und mich auf die Schauspielschule vorbereitet habe. Wäre das schief gegangen, hätte ich mit dem Examen angefangen. Die Scheine jedenfalls hatte ich alle beisammen.
Sind Sie katholisch oder evangelisch?
Heike Trinker: Evangelisch. Ich wollte Pastorin werden, wollte auf die Kanzel. Das kann man ja in der katholischen Kirche nicht.
Welch ein Sprung: von der Pastorin zur Schauspielerin.
Heike Trinker: Ja! Für mich war das ein Sprung. Viele sagen, ist doch dasselbe, ob Du auf der Bühne stehst oder auf der Kanzel. Für mich ist es das Gegenteil. Das eine steht ganz im Dienst für den anderen, das andere, die schauspielerische Arbeit, hat ja sehr viel damit zu tun: erst mal komm’ ich.
Bei ihrer Einstandsparty kommen sich Stubbe (Wolfgang Stumph) und die neue Kollegin Marlene (Heike Trinker) tänzerisch näher. Foto: ZDF, Sandra Hoever
Heike Trinker: Ich glaube, ich bin bis heute keine Narzisstin. Nach wie vor sind mir Inhalte wichtig. Talent und Leidenschaft zum Schauspiel hatte ich schon früh in der Schule entdeckt. Es schien für mich aber kein Beruf zu sein. Ich komme ja aus keinem Umfeld, dass das Schauspiel unterstützte. Mein Vater ist Beamter, die Mutter hat als Verkäuferin gearbeitet. Schauspielerin zu werden, war eine absurde Idee.
Hat der Vater nicht die Hände über dem Kopf zusammen geschlagen, dass Sie auf die Bühne wollten?
Heike Trinker: Für meinen Vater brach eine Welt zusammen. Aber ich bin nicht auf dieser Welt, um die Vorstellungen Anderer von mir zu erfüllen.
Mögen Sie die Musik von Robert Schumann?
Heike Trinker: Ja, sehr.
Er ist auch Zwillinge, Aszendent Steinbock wie Sie. Und wie steht es mit Margot Käßmann – ebenfalls Zwillinge, Aszendent Steinbock?
Heike Trinker: Oh, ich bewundere ihre Arbeit, ihren Mut.
Sie machen den Eindruck einer Frau mit Charakter. Was geht gegen Ihren Willen?
Heike Trinker: Wenn nötig, bin ich kompromissbereit, weil das zu mehr Frieden führt, zu mehr innerem Gleichgewicht, wenn man lernt, Dinge, die man nicht ändern kann, sein zu lassen, wie sie sind. Früher konnte ich das gar nicht. Gegen den Strich geht mir Respektlosigkeit, Intoleranz.
Wie neugierig sind Sie?
Heike Trinker: Ich bin neugierig auf das Leben, dass vor mir liegt. In der Schauspielschule sagte man immer: Neugierde, ganz wichtig, Neugierde, Neugierde! Das kann auch schnell zu Grenzüberschreitungen führen, wenn man seine Nase überall reinsteckt. Ich möchte die Grenze eines anderen respektieren.
Wissbegierig?
Heike Trinker: Mit dem Begriff kommen wir schon weiter. Ja, ich will wissen. Ich habe mit meiner Mutter gerade darüber gesprochen, was alt sein bedeutet. Für mich ist jemand alt, wenn er nichts mehr wissen will, nur noch nach hinten guckt. Bei mir habe ich festgestellt, dass ich erst mal nach vorn schaue. Was habe ich verpasst, was hätte ich anders machen sollen – das interessiert mich nicht die Bohne.
Ausdauer, Geduld, Disziplin – sind das auch Ihre Tugenden?
Heike Trinker: Ja, ich gebe es ungern zu, weil es so preußisch klingt. Da habe ich viel von meinem Vater mitbekommen. Ich habe ich auch so etwas Wildfangmäßiges. Aber ausdauernd ja, ich habe mich schon hin und wieder als zäh bezeichnet, die Zähne zusammenbeißen und etwas durchstehen, das kann ich.
Konnten Sie mit Gleichaltrigen etwas anfangen?
Heike Trinker: Schon. Den Kontakt zu älteren, reiferen Menschen habe ich zunächst nicht gesucht, das Ernste, das Bedächtige. Die Suche nach mehr „Inhalt“ ist erst später in mein Leben getreten, das Studium der Theologie war das Gegenteil von Leichtsinn. Und gut. Ich schätze Menschen, die Tiefe haben.
Sie brauchen ein Refugium?
Heike Trinker: Unbedingt! Ich brauche meinen Raum! Ich muss nicht zusammen wohnen. Dabei liebe ich Nähe wie verrückt, mag Berührungen, mag Menschen, Leben.
Wie kommen Sie mit einem Gedrängel im Bus klar?
Heike Trinker: Fürchterlich. Auch das Getümmel auf der Wiesn finde ich anstrengend, vollbesetzte Bars, den Hauptbahnhof. Inzwischen ist mir bewusst, dass die Menge mich verrückt macht. Zu einem Konzert gehen, ist auch nicht mein Ding. In einem Fußballstadion jedoch geht es. Da hat man ja seinen Platz.
Erste Begegnung am Tatort: Stubbe (Wolfgang Stumph) und die neue KTU-Kollegin Marlene (Heike Trinker). Foto: ZDF, Sandra Hoever
Heike Trinker: Ich finde shoppen total langweilig. Als ich zur Schauspielschule ging, bekam ich 500 Mark, wobei die Wohnung schon 250 Mark kostete. Ich hatte nicht das Gefühl, ich muss nun alles zusammen halten und sparsam sein, kann mir nichts gönnen. Ich habe daran keine schlechte Erinnerung. Ich glaube, dass ich mit wenig gut klar komme.
Und nun sind Sie bei Stubbe gelandet.
Heike Trinker: (lächelt) Dieses Jahr bekam ich zwei sehr schöne berufliche Angebote präsentiert. Ich habe an der Seite von Burghart Klaußner einen Kinofilm (Invasion, kommt 2012 ins Kino) gedreht mit einem großartigen Regisseur (Dito Tsintsadze). Man hat mir diese Kinorolle zugetraut, fantastisch! Der Regisseur spricht kein Deutsch, ihn hat interessiert, ob das Spiel glaubhaft ist. Das war das Kriterium. Das war einfach eine geile Sache. Und dann kam die Chance, bei Stubbe einzusteigen.
Das wird langfristiger.
Heike Trinker: Ja, bis zur 50ten Folge, das ist übernächstes Jahr, werde ich voraussichtlich dabei sein. Das werden drei Filme pro Jahr.
Ein richtiger Knaller! Glückwunsch! Wie ist es möglich, Ihnen näher zu kommen? Wann darf jemand nicht nur im Vorgarten spielen, sondern ins Haus hinein?
Heike Trinker: (lacht) Sie glauben, es ist schwierig?
So ganz ist Stubbe (Wolfgang Stumph) noch nicht davon begeistert, dass Helge (Wanja Mues) nun wieder mit seiner Tochter zusammen ist. Foto: ZDF, Sandra Hoever
Heike Trinker: Nein. Manchmal klappt’s halt nicht, so viele Menschen, so unterschiedliche Modelle gibt’s ja. Symbiose z.B. ist nichts für mich, wenn man alles nur noch zusammen machen will – oder wenn es nur noch ein wir gibt: wir finden, wir wollen, wir essen gern – da klingen mir die Ohren, wenn ich das höre. Grausam. Es ist gar nicht viel, was ich mir in einer Beziehung wünsche: das Akzeptieren meiner Person. Nicht an mir herum Zerren. Auch ich versuche, den Partner da zu lassen, wo er ist.
Dann wären Sie ja frei für eine neue Liebe.
Heike Trinker: (lacht laut auf) Nur her damit. Er sollte mich nur nicht gleich heiraten wollen. Nähe gern, aber nicht permanent und unter allen Umständen. Das bitte nicht. Das heißt aber nicht, dass ich nicht in einer Liebe aufgehen kann, ich habe mich schon einige Male völlig verloren.
Geheiratet haben Sie nie?
Heike Trinker: Nee, nee, nee. Heiraten, das ist eine Konvention, die mit mir nicht viel zu tun hat.
Und wie steht es mit Kindern?
Heike Trinker: Ich habe keine Kinder, und ein Muttergen spüre ich nicht. Für mich stimmt das so. Ich habe insgesamt wenig Kontakt zu Kindern, nur wenige meiner Freunde haben Kinder.
Würden Sie sich als Spätzünder einschätzen?
Heike Trinker: Ja, ich würde schon sagen, dass ich relativ lange Zeit fremdbestimmt war. Aber nicht wie ein Blatt im Wind, ziel- und orientierungslos, sondern offen für zu viel. Mit dem Theologie-Studium ging es ja schon um die Fragen, was ich für den anderen tun kann. Ich habe vieles aufgenommen, aber weniger gefragt, wo ich eigentlich positioniert bin. Also schon früh zu wissen, was ich will, wohin es geht, – so ist mein Leben nicht gelaufen. Der Weg allerdings, den ich jetzt gehe, ist stimmig und richtig, da muss ich nicht nach Alternativen suchen.
Wie gehen Sie damit um, wenn es in Ihnen brodelt?
Heike Trinker: Laufen ist gut, joggen, die Energie loswerden. Ich habe wohl auch schon mal gegen Wände gehauen oder gegen Sessel getreten.
Aber noch keinen Fernseher aus dem Fenster geworfen?
Heike Trinker: Nee, das nicht. Auch nicht mit dem Aschenbecher geworfen. Ich habe keine Gewaltfantasien gegen andere.
Haben Sie mal eine Ungezogenheitsperiode durchlebt, vielleicht kurz nach der Pubertät?
Heike Trinker: Das war später, im Studium. Das kam, als ich den inneren Wandel von Glaubenssätzen zu politischen Aussagen durchlebte. Das war die Phase, wo ich zu Hause meinem Vater den Mantel aus der Hand gerissen habe, in den er mir freundlicherweise hineinhelfen wollte (lacht) und ich dann schnauzte: Das kann ich selbst!
Die Tür lassen Sie sich schon aufhalten?
Heike Trinker: Inzwischen wieder; damals auch nicht. Da habe ich zu Hause auch die Ehe völlig in Frage gestellt. In der Pubertät hat diese Auflehnung nicht stattgefunden.
Sie kennen die Eifersucht?
Heike Trinker: Ich kenne Vertrauen besser als das Gefühl der Eifersucht. Eifersucht ist in meinen Augen nichts anderes als Misstrauen.
Wie halten Sie es heute mit der Gretchenfrage?
Heike Trinker: Mit der Religion habe ich es weniger, aber mit spirituellen Kräften schon.
Glauben Sie an Engel?
Heike Trinker: Ja.
Hatten Sie ein Erlebnis derart?
Heike Trinker: Ich hatte schon Begegnungen, in denen ich das Gefühl hatte, da ist eine Energieform anwesend. Das kenne ich. Nicht körperlich, eher, als wenn jemand neben mir da wäre. Eine Freundin, der ich sehr verbunden bin, hatte einen Menschen durch einen Unfall verloren. Zwei Tage später bin ich morgens aufgestanden und bemerkte, dass die Haustür offen stand. Ich war ganz sicher, dass sich die Seele dieses Menschen von mir verabschiedet hat.
Haben Sie Angst vor dem Tod?
Heike Trinker: Nicht vor dem Tod. Als Kind hatte ich so viel Angst, Angst im Dunkeln, Angst allein zu sein, hatte Angst davor, dass einer unterm Bett liegt. Ich bin mit einem weiten Satz ins Bett gesprungen, weil ich dachte, darunter liegt jemand und greift nach meinen Füßen. Ich hatte da wildeste Fantasien. Ich habe Angst, dass meinen Eltern etwas zustößt. Nein, Sorge ist richtiger, das würde ich eher Sorge nennen.
Sie haben sich gut im Griff und mich überzeugt. Vielen Dank für das Gespräch
Hier geht es zu ihrem Horoskop



Welch ein klasse Interview!
Eindeutig, Heike kann spirituelle Kräfte nicht nur fühlen, sondern auch energetisch spürbar vermitteln!
Das Horoskop passt prima zu Heike, und wenn mal nicht: Oh sieh nach den Sternen, und wenn der dunkle Erdentag………..
Viel Erfolg bei Deiner neuen Rolle Heike, Stephan
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