Ich bin ein Punk
Christoph Letkowski im Interview
zum Film "Die lange Welle hinterm Kiel"
Christoph Letkowski: Dito. Ich will immer neugierig sein.
Im Film „Die lange Welle hinterm Kiel“ wirken Sie ausgesprochen jugendlich.
Christoph Letkowski: Das hängt natürlich an der „jugendlichen“ Rolle. Au, mein Rücken..
So wie ich Sie gerade hüpfend und springend beim Foto-Shooting erlebt habe – Sport macht Ihnen Spaß?
Christoph Letkowski: Ja. Ich war lange Leichtathlet. Aber für Leistungssport bleibt jetzt nicht mehr viel Zeit. Da gibt es zum Glück dann „sportliche“ Projekte. Bei meiner Rolle im Film „Parkour“ wurden z.B. eine Menge Stunts verlangt. Ich habe für das Projekt dann auch viel und gerne physisch trainiert. Ich bin immer noch ein „Park-ourläufer“. Wenn ich in Hamburg bin, renne ich um die Außenalster, in Berlin habe ich meinen Volkspark.
Sie sind ein vielseitiges Talent, spielen auch Gitarre in einer Band, schreiben Songs.Sie sind die treibende Kraft bei „Volkskind“?
Christoph Letkowski: Das ist ja ein Prozess. Wir Jungs gleichen uns über die Jahre aneinander an, lernen auf vielen Ebenen immer wieder dazu. Auf jeden Fall ist Musik auch ein guter Ausgleich und etwas, wo einen keiner umbesetzen kann.
Mit welcher Besetzung treten Sie auf?
Christoph Letkowski: Im Kern sind wir nur drei, der Bassist, der Schlagzeuger und ich als Gitarrist. Es gibt aber auch noch einen Trompeter, „Volkskind“ macht schließlich „Trompeten-Pop-Rock“.
Christoph Letkowski: Noch nicht. Wir haben gerade Aufnahmen gemacht und müssen sehen, wie das in Zukunft aussieht.
Sie treten auch auf?
Christoph Letkowski: Ja. Wir haben noch zwei Konzerte im Dezember in Berlin. Dann müssen wir uns wieder neu sammeln und überlegen, wo die neue Reise hingeht. Vielleicht erst mal in den wilden Osten.
Sie werden als eigensinnig beschrieben.
Christoph Letkowski: Oh Mann,- das haben die im Kindergarten schon gesagt.
Na ja, bei Schauspielern? Da ist doch das meiste vorgegeben und man bleibt zunächst fremdbestimmt.
"Die Welle hinterm Kiel" könnte auch in den Kammerspielen laufen. Foto: ARD Degeto/Mona Film/ORF/Holger Leue
Wenn Sie Menschen begegnen, erfassen Sie diese intuitiv und blitzschnell?
Christoph Letkowski: Das geht oft so bei mir. Manchmal wünsch ich mir aber auch etwas mehr Zeit…
Gilt das auch für Frauen?
Christoph Letkowski: Da lasse ich mir lange Zeit. Bis ich dann denke, dass es richtig und gut ist. Manchmal zu lange. Es gibt natürlich das erste Gefühl, die Intuition, aber eine funktionierende Beziehung bau ich mir eher langsam auf.
Sie können sich richtig unsterblich romantisch verlieben?
Christoph Letkowski: Gerade bin ich das tatsächlich.
Versuchen Sie, Ihren Verstand zu retten?
Christoph Letkowski: Ich versuche immer zu erreichen, dass alles gut wird, dass eine unterstützende Kraft vorhanden ist, die ich auch brauche, um meinen Job zu meistern. Außerdem sind geteilte Momente die Schönsten.
Sie sind also kein Womanizer?
Christoph Letkowski: Nee, leider nicht. Was heißt leider – das war nie meine Veranlagung.
Den Charme dazu hätten Sie.
Christoph Letkowski: Vielleicht. Aber das ist auch bedingt durch die eigene Vorgeschichte.
Was passiert, wenn jemand ungerecht behandelt wird?
Christoph Letkowski: Wenn er mir am Herzen liegt, schreite ich ein, natürlich, warum auch nicht.
Und wenn jemand auf der U-Bahn überfallen wird?
Christoph Letkowski: Das hängt davon ab, wie man einschreitet. Man muss natürlich aufpassen, dass das eigene Leben nicht in Gefahr gerät. Wenn ich seh, da sind fünf Leute und ich alleine, da müsste ich Verstärkung holen oder Hilfe herbeitelefonieren, oder mit dem Opfer spektakulär türmen.
Einfach wegdrehen nach dem Motto, das geht mich nichts an?
Christoph Letkowski: Nee, definitiv nicht. Dazu war ich selbst oft genug in solchen Situationen.
Sie haben ein Gefühl für Sprache, Poesie. Schreiben Sie die Texte für die Band?
Christoph Letkowski: Genau. Ich komme aber leider viel zu selten zum Lesen. Das bereue ich manchmal. Auf der Bühne bin ich nicht so sehr der Sprecher, sondern mehr der Körper, spiele „größer“, vor allem in den Bewegungen. Früher hatte ich Sprachstörungen, habe stark gestottert. Schon witzig.
Christoph Letkowski: ch war bei einem Sprachlehrer. Es liegt wirklich ganz stark am mangelnden Selbstbewusstsein. Wenn man seinen Lebensraum dann verändert, „gleichgesinnte“ Menschen trifft, ergibt sich das dann ganz automatisch. So war es jedenfalls bei mir.
Sie haben also keine Therapie gemacht?
Christoph Letkowski: Doch, ich war bei der Armee. Da hieß es dann: sprich vernünftig oder stell dich 5 Stunden ins Stillgestanden. Und Warten ist nun wahrlich nicht meine Stärke.
Haben sich damals Minderwertigkeitskomplexe aufgebaut?
Christoph Letkowski: Man sucht sich als Kind etwas, in dem man gut ist, in dem man sich am besten ausdrücken kann, ohne sich zu frusten. Ich habe angefangen, Musik zu machen, wie ein Blöder Sport zu treiben. Schließlich habe ich die Gegend verlassen, weil ich nicht die Menschen und Aufgaben fand, mit denen ich mich richtig wohl fühlen konnte.
Wann sind Sie von zu Hause ausgerückt?
Christoph Letkowski: Ich bin mit 18, direkt nach dem Abi, zur Armee
Wie sind Sie auf der Schule durchgekommen? Waren Sie mehr ein Träumer?
Christoph Letkowski: Ein Träumer schon, aber mit einem wahnsinnig guten Kurzzeitgedächtnis ausgestattet. So habe ich ein ganz gutes Abi hinbekommen.
Im Film „Die lange Welle hinterm Kiel“ werden die beiden älteren Personen sehr genau gezeichnet, wohingegen die jungen Leute, also Sie und Veronica Ferres, ein wenig stiefmütterlich behandelt werden. Sie sind da mehr der Zulieferant, abgesehen davon, dass der Schluss reichlich konstruiert wirkt.
Christoph Letkowski: Ich habe mich natürlich vorbereitet und viel überlegt und wusste dann schon, wie ich meine Figur anzureichern und im Notfall auch zu verteidigen habe. Es ist ein Film, kein Roman. Der hat ja über 300 Seiten. Da muss man sich halt für bestimmte Passagen entscheiden. Wir hätten überall noch mehr erzählen können, wenn ich den Film mit dem Buch vergleiche.
Sie machen einen rechtschaffenen Eindruck. Mit Ihnen kann man Verträge per Handschlag schließen?
Christoph Letkowski: Ich bin ein Ossi, bin „handschlägig“ erzogen. Eine Hand wäscht die andere. Man hat ganz viele mündliche Vereinbarungen getroffen. Das ist so ein Codex. Und man umgibt sich vorzugsweise mit Menschen, die ebenso gestrickt sind.
Punk sind Sie immer noch geblieben?
Christoph Letkowski: Auf jeden Fall.
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