Der Mann mit dem Fagott – Udo-Jürgens-Biografie

Aufwendiger Zweiteiler – drei Generationen Bockelmann

Teil 1

Hauptdarsteller (v.l.n.r.): David Rott und Udo Jürgens. Bild: "ARD Degeto/Dominik Beckmann"

Hauptdarsteller (v.l.n.r.): David Rott und Udo Jürgens. Bild: "ARD Degeto/Dominik Beckmann"

Sendetermin im Ersten, Donnerstag, 29. September 2011 20.15 Uhr

Deutschland, September 2010. Nach einem erfolgreichen Konzert vor Tausenden von
Fans sitzt Udo Jürgens erschöpft in der leeren Halle, als sein Tourmanager (Gunther Gillian) ihm ausrichtet, ein gewisser Kasajev (Otto Tausig) aus Moskau habe ihn zu erreichen versucht. Es ginge um eine Bronzestatue: „Der Mann mit dem Fagott“.

Udo ist tief bewegt von dieser Nachricht, vor seinem geistigen Auge entrollt sich ein
ganzer Film. Die Geschichte seines Vaters und seines Großvaters beginnt 1891 auf dem Bremer Weihnachtsmarkt:

David Rott als Udo Jürgens, Christian Berkel als dessen Großvater Heinrich Bockelmann und Ulrich Noethen, der die Rolle des Vaters Rudi übernommen hat. "Bild: ARD Degeto/Ziegler Film/Graf Filmproduktion/ORF/Toni Muhr"

David Rott als Udo Jürgens, Christian Berkel als dessen Großvater Heinrich Bockelmann und Ulrich Noethen, der die Rolle des Vaters Rudi übernommen hat. "Bild: ARD Degeto/Ziegler Film/Graf Filmproduktion/ORF/Toni Muhr"

Die russisch klingende Musik eines Fagottspielers (Henning Stoll) verzaubert den 21-jährigen Heinrich Bockelmann (Christian Berkel) so sehr, dass er nach Moskau auswandert.
Sein Mut wird belohnt, gut 20 Jahre später ist er Direktor einer einflussreichen
Privatbank.
Anna (Melika Foroutan) schenkt ihrem Mann Heinrich Bockelmann (Christian Berkel) die Bronzefigur "Der Mann mit dem Fagott". Bild: "ARD Degeto/Ziegler Film/Graf Filmproduktion/ORF/Foto: Toni Muhr"

Anna (Melika Foroutan) schenkt ihrem Mann Heinrich Bockelmann (Christian Berkel) die Bronzefigur "Der Mann mit dem Fagott". Bild: "ARD Degeto/Ziegler Film/Graf Filmproduktion/ORF/Foto: Toni Muhr"

Sein Glück ist perfekt, als seine Frau Anna (Melika Foroutan) ihm eine Bronzestatue schenkt, die verblüffende Ähnlichkeit mit dem Fagottspieler aus Bremen hat.

Vor dem Ersten Weltkrieg führt der Bankier Heinrich Bockelmann (Christian Berkel) mit seiner Frau Anna (Melika Foroutan) ein luxuriöses Leben. Bild: "ARD Degeto/Ziegler Film/Graf Filmproduktion/ORF/Foto: Toni Muhr"

Vor dem Ersten Weltkrieg führt der Bankier Heinrich Bockelmann (Christian Berkel) mit seiner Frau Anna (Melika Foroutan) ein luxuriöses Leben. Bild: "ARD Degeto/Ziegler Film/Graf Filmproduktion/ORF/Foto: Toni Muhr"

Doch dann stellt die deutsche Kriegserklärung an Russland die Familie vor eine Zerreißprobe. Nur durch Bestechung gelingt es dem prominenten Bankier, dass Frau und Kinder ins sichere Schweden ausreisen können. Heinrich wird denunziert und als vermeintlicher Spion in ein sibirisches Lager deportiert. Dessen korrupter Kommandant (Jurij Rosstalnyj) schlägt dem Gefangenen ein skurriles Geschäft vor: Der reiche Häftling soll Gelder aus seinem Privatvermögen an das bankrotte Auffanglager überweisen. Heinrich erhält einen Passierschein nach Moskau, wo das Unglaubliche geschieht: Er trifft den Mann mit dem Fagott wieder. Das Erlebnis beflügelt ihn so sehr, dass er die Flucht nach Schweden wagt.

Teil 2
Freitag, 30. September 2011, 20.15 Uhr

Mit knapper Not schafft Heinrich Bockelmann (Christian Berkel) die Flucht nach Schweden, wo er seine Familie wohlbehalten wiedertrifft. Die Jahre ziehen ins Land, und seine Kinder wachsen zu tüchtigen Männern heran. Sein ehrgeiziger Sohn Rudi (Ulrich Noethen) wird Bürgermeister im österreichischen Ottmanach. Doch der prinzipienstrenge Vater tadelt ihn wegen der Kollaboration mit den Nazis.

Vater Rudi (Ulrich Noethen, Mitte) und seine Frau Käthe (Fanny Stavjanik) beruhigen den kleinen Udo (Alexander Kalodikis), der von einem fanatischen Jungscharführer so sehr aufs Ohr geschlagen wurde, dass er einen Hörsturz erlitt. Bild: "ARD Degeto/Ziegler Film/Graf Filmproduktion/ORF/Foto: Toni Muhr"

Vater Rudi (Ulrich Noethen, Mitte) und seine Frau Käthe (Fanny Stavjanik) beruhigen den kleinen Udo (Alexander Kalodikis), der von einem fanatischen Jungscharführer so sehr aufs Ohr geschlagen wurde, dass er einen Hörsturz erlitt. Bild: "ARD Degeto/Ziegler Film/Graf Filmproduktion/ORF/Foto: Toni Muhr"

Mit wem er sich eingelassen hat, wird Rudi klar, als sein zwölfjähriger Sohn Udo (Alexander Kalodikis) bei einer Wehrübung von einem fanatischen Jungzugführer so brutal geschlagen wird, dass sein Trommelfell zerfetzt. Der musikalische Junge, der sich das Klavierspielen selbst beibrachte, ist zutiefst betrübt, denn er wird auf dem linken Ohr nie mehr so hören können wie zuvor. Sein Vater tröstet ihn:

„Der Mann mit dem Fagott“ – jene Bronzestatue, die schon im Leben des Großvaters eine wichtige Rolle spielte – wird auch Udo beschützen. In den Wirren des Krieges muss Rudi Bockelmann die Figur jedoch dem russischen Zwangsarbeiter Kasajev (Lenn Kudrjawizki) anvertrauen. Seither gilt sie als verschollen. Mit dem aufkeimenden Wirtschaftswunder treten Rudis Söhne als Geschäftsmänner in die Fußstapfen ihres erfolgreichen Großvaters.

Udo (David Rott) zweifelt an seiner Musik, doch seine Freundin Gitta (Valerie Niehaus) stärkt ihm den Rücken. Bild: "ARD Degeto/Ziegler Film/Graf Filmproduktion/ORF/Foto: Toni Muhr"

Udo (David Rott) zweifelt an seiner Musik, doch seine Freundin Gitta (Valerie Niehaus) stärkt ihm den Rücken. Bild: "ARD Degeto/Ziegler Film/Graf Filmproduktion/ORF/Foto: Toni Muhr"

Allein Udo (David Rott), der für ein Trinkgeld in Bars klimpert, ist aus der Art geschlagen. Der vom Jazz inspirierte 18-Jährige hat eine musikalische Vision, doch bornierte Musikproduzenten wollen aus ihm einen zweiten Freddy Quinn machen. Erst das Vertrauen des visionären Managers Hans Beierlein (Fritz Hammel) ebnet dem ambitionierten Sänger und Komponisten die Karriere. Mit dem Gewinn des Grand Prix Eurovision de la Chanson 1966 erlebt Udo Jürgen Bockelmann alias Udo Jürgens seinen ersten Karrierehöhepunkt.

Doch erst Jahrzehnte später erhält er den Anruf eines alten Mannes aus Moskau – und damit das größte Geschenk seines Lebens: Die Bronzestatue „Der Mann mit dem Fagott“ kehrt zurück in die Hände der Familie Bockelmann.

 

Besetzung
Udo Jürgens
Heinrich Bockelmann Christian Berkel
Udo Jürgens (als junger Mann) David Rott
Rudi Bockelmann Ulrich Noethen
Gitta Valerie Niehaus
Anna Melika Foroutan
Onkel Erwin Herbert Knaup
Käthe Fanny Stavjanik
Udo Jürgens (als Kind) Alexander Kalodikis

u.. v. a.

 

„Vor dem Vergessen und Versinken in der Zeit bewahren“

Von Udo Jürgens

Bild: "ARD Degeto/Ziegler Film/Graf Filmproduktion/ORF/Foto: Toni Muhr"

Bild: "ARD Degeto/Ziegler Film/Graf Filmproduktion/ORF/Foto: Toni Muhr"

Als meine Co-Autorin und ich begonnen haben, dieses Buch zu schreiben, sollte es vor
allem ein Dokument für meine Familie werden. Es sollte das, was mein Großvater,
mein Vater und seine Brüder erlebt und bewältigt haben und ihre Biografien, die von der
europäischen Geschichte des vergangenen Jahrhunderts geprägt wurden, vor dem Vergessen
und Versinken in der Zeit bewahren. Die Arbeit an diesem Buch gehört für mich
zu den Meilensteinen meines Lebensweges. Wenn ich vorher gewusst hätte, dass wir
sechs Jahre daran arbeiten würden, hätte mich vermutlich der Mut verlassen. Dass aus
„Der Mann mit dem Fagott“ schließlich ein Bestseller geworden ist und dass inzwischen
auf der Basis dieses Buches gar ein Film gedreht wurde, erfüllt mich mit Freude und Stolz.
Und wenn ich gewusst hätte, dass der Weg von der ersten Verfilmungsidee bis hin zum
fertigen Film wiederum beinahe sieben Jahre dauern würde, hätte ich es wahrscheinlich
nicht gewagt, mich darauf einzulassen. Heute bin ich sehr froh darüber, es getan zu
haben.
Bei der Zugabe tritt Udo (Udo Jürgens) immer mit einem Bademantel auf. Bild: "ARD Degeto/Ziegler Film/Graf Filmproduktion/ORF/Foto: Toni Muhr"

Bei der Zugabe tritt Udo (Udo Jürgens) immer mit einem Bademantel auf. Bild: "ARD Degeto/Ziegler Film/Graf Filmproduktion/ORF/Foto: Toni Muhr"

Die Umsetzung eines Buches in einen Film ist immer ein schwieriger und oft auch
schmerzlicher Akt. Die Dramaturgie dieser sehr unterschiedlichen Kunstform hat ihre
eigenen Gesetze. Diese erfordern nicht nur eine massive Beschränkung auf wenige Stränge
und Aspekte des Buches, sondern auch viele, viele Veränderungen, Verdichtungen,
Anpassungen. Die beiden Drehbuchautoren Miguel Alexandre und Harry Göckeritz,
meine Co-Autorin Michaela Moritz und ich haben viele Jahre lang intensiv daran gearbeitet, aus der Essenz des Romans ein verfilmbares Drehbuch zu gestalten. Vieles, woran unser aller Herz hing, musste dabei auf der Strecke bleiben. Doch worauf es uns letztlich ankam, war nicht, eine genaue Verfilmung des Buches anzustreben – das wäre ohnehin vollkommen unmöglich gewesen –, sondern, was uns die ganze Zeit geleitet hat, war der Anspruch, dem Geist des Buches, der Atmosphäre und den Charakteren der Figuren gerecht zu werden. Ich glaube, das ist uns gelungen.
Der Vater Rudi Bockelmann, gespielt von Ulrich Noethen. Bild: "ARD Degeto/Ziegler Film/Graf Filmproduktion/ORF/Foto: Toni Muhr"

Der Vater Rudi Bockelmann, gespielt von Ulrich Noethen. Bild: "ARD Degeto/Ziegler Film/Graf Filmproduktion/ORF/Foto: Toni Muhr"

Der Film lässt meinen Großvater, meinen Vater, einen seiner Brüder noch einmal auf andere Weise lebendig werden, als es das Buch tat. Es lässt mich als Zuschauer noch einmal in meine Kindheit und Jugend eintauchen. Ein wenig hatte ich Angst davor, mir selbst, durch zwei Schauspieler vertreten, aber auch meinen Eltern und Großeltern auf diese Weise wieder zu begegnen. Doch diese Sorge ist inzwischen einer großen Freude gewichen. Es ist ein mich tief berührendes Privileg, die Menschen, die mich geprägt haben und auch mich selbst, von so großartigen Schauspielern und Schauspielerinnen verkörpert zu sehen wie Christian Berkel, Ulrich Noethen, David Rott (der die schwierige Herausforderung angenommen hat, mich in meinen jungen Jahren zu verkörpern), Alexander Kalodikis (der mich als Kind so spielt, dass mir meine Kindheit wieder ganz nah ist), Valerie Niehaus,
Onkel Erwin (Herbert Knaup) ist ein erfolgreicher Manager. Bild: "ARD Degeto/Ziegler Film/Graf Filmproduktion/ORF/Foto: Toni Muhr"

Onkel Erwin (Herbert Knaup) ist ein erfolgreicher Manager. Bild: "ARD Degeto/Ziegler Film/Graf Filmproduktion/ORF/Foto: Toni Muhr"

Herbert Knaup, Fanny Stavjanik, Melika Foroutan, Otto Tausig und all den vielen, vielen anderen, hier Ungenannten, die unverzichtbar dazu beitragen, dass der Film zu dem geworden ist, was er ist.
Dabei kam es uns allen (außer bei meiner eigenen Figur) nicht hauptsächlich auf äußerliche Ähnlichkeit der Schauspieler mit den »echten« Figuren an, deren Aussehen ja ohnehin nur wenigen Menschen wirklich präsent ist, als vielmehr darauf, dass die Ausstrahlung, die Persönlichkeit, das Wesen, das, was die Figuren ausmacht, prägt und antreibt, im Film authentisch zu entdecken ist. Ich glaube, das ist uns gelungen. Und mehr als einmal der mann mit dem fagott „Vor dem Vergessen und Versinken in der Zeit bewahren“

Von Udo Jürgens

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