Narzissmus und Politik – von wegen nachhaltig

Die narzisstische Welt der Politik, zuweilen ein Trauerspiel

Wie steht es generell mit dem Schuldgefühl bei Narzissten?

Borwin Bandelow: Extreme Narzissten sicher nicht. Es gibt ja noch die extrem gesteigert Form wie bei Bin Laden. Den halte ich für einen schweren Narzissten. Es ging ihm nicht darum, die islamische Welt zu retten, sondern nur darum, dass er als Person groß herauskam. Für die Video-Aufnahmen hat er sich extra die Haare schwarz gefärbt, obwohl er graue Haare hat. Und wie er sich das Attentat auf das World Trade Center ausgedacht hat – das kann nur ein maligner Narzisst. Dieses Schauspiel, diese inszenierte Katastrophe, wie sie sich der schlimmste Untergangsregisseur sich nicht besser hätte ausdenken können…

Wie steht es mit der Gegenseite, der US-Regierung?

Barack Obama

Barack Obama

Foto: Pete Souza, The Obama-Biden Transition Project

 

Borwin Bandelow: Es gibt kaum einen US-Präsidenten, der nicht narzisstische Züge aufweist, Obama nicht ausgenommen (dazu kommen noch ein paar Bemerkungen im zweiten Teil des Interviews). Den Job kriegt man nicht so einfach, wenn man nicht Narzisst ist. Politiker wollen beim Volk gut ankommen, sind deswegen auch oft Populisten. Aufgrund der Umfragen schwenken sie ihr Fähnchen nach dem Winde, selbst wenn es überhaupt nicht in das Parteiprogramm passt.

Da hätten wir ja gerade aktuell die unglaubliche Sinneswandlung in der CDU: erst die Laufzeitenverlängerung für Atomkraftwerke, dann das förmliche Überschlagen für den Ausstieg.

Borwin Bandelow: Denen schwimmen die Felle weg und sie sehen ihre Umfragewerte runtergehen.

Ist Machtkalkül auch etwas Narzisstisches?

Fidel Castro

Fidel Castro

Foto: Library of Congress Prints and Photographs Division Washington, D.C. 20540 USA

 

Borwin Bandelow: Ja, wenn auf einmal Prinzipien nichts wert sind. Früher gab es Politiker mit Prinzipien, auch einen Fidel Castro. Egal was passiert oder wie ich angefeindet werde, die Fahne des Sozialismus wird hoch gehalten („socialismo o muerte“). Diese Leute haben ihre Prinzipien und reiten darauf herum, was natürlich in einigen Fällen gar nicht so günstig ist. In den USA dagegen kennen die Politiker kein Festhalten an Prinzipien, man konnte schon immer bei den Demokraten sein und zugleich rechtsradikal. In Deutschland ist es noch nicht ganz so weit. Aber wir stehen kurz davor, dass hier amerikanische Verhältnisse einreißen. Ein typisches Beispiel war Möllemann. In einer Broschüre verdammte er ja damals Israel, hoffte, durch Antisemitismus mehr Stimmen zu erhalten. Er hat vermutlich Geld von arabischen Organisationen bekommen. Damit hatte er sämtliche Prinzipien einer freiheitlich demokratischen Partei gebrochen. Ähnlich war es bei Jörg Haider, der Fremdenhass schürte.

Thilo Sarrazin

Thilo Sarrazin

Foto: Nina Gerlach

 

Und die SPD schafft es nicht, Sarrazin los zu werden.

Borwin Bandelow: Genau. Weil sie merken, er hat viel zu viel Rückhalt in der Bevölkerung. Dahinter steckt die Sorge, noch ein paar Punkte zu verlieren.

Nochmal zurück zur jetzigen Koalition der Atompolitik…

Borwin Bandelow: Wir erleben jetzt eine Überreaktion auf Fukushima.

Ist das Angst?

Borwin Bandelow: Natürlich. An erster Stelle ist es aber Wahlkampf. Politiker sind immer im Wahlkampf.

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Narzissmus und Borderline – Manfred Gregor im Gespräch mit Prof. Borwin Bandelow – Themenübersicht:

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