Interview mit Marion Kracht

“Der Teufel scheißt auf den größten Haufen”

Interview mit Schauspielerin Marion Kracht

Im zarten Alter von fünf Jahren stand die gebürtige Münchnerin zum ersten Mal vor der Kamera. Als Jugendliche spielte Marion Kracht an der Seite von Ruth Leuwerik in der ersten deutschen Fernsehverfilmung von Thomas Manns „Buddenbrooks“ und in der TV-Kinderserie „Das feuerrote Spielmobil“. Ihre Ausbildung zur Schauspielerin erfolgte parallel zu ihren zahlreichen Engagements u.a. bei Ursula Neureuther in München und an der Herbert-Berghoff-Schauspielschule in New York. Der endgültige Durchbruch in die Riege der deutschen Top-Schauspieler gelang ihr 1985 als „Tina“ in der beliebten ZDF-Kultserie „Diese Drombuschs“. Vor vier Jahren wechselte sie für den Kinofilm „GG19“ für kurze Zeit die Seiten und führte in einer der 19 Episoden die Regie. Seit 2006 spielt die bekennende Vegetarierin in der erfolgreichen Fernsehreihe „Liebe, Babys und ein großes Herz“ die engagierte Hebamme Antonia Hellmann. Privat lebt Marion Kracht mit ihrem Mann und den beiden gemeinsamen Söhnen in Berlin. Stars²-Autorin Kirsten Gregor sprach mit ihr über Yoga, Glück und die Kunst, ein Leben ohne Skandale zu führen.

TV-Tipp: “Liebe, Babys und ein Herzenswunsch” – Sonntag, 8. Mai, 20.15 Uhr im ZDF

Interview

„Liebe, Babys und ein Herzenswunsch“ beginnt mit einer Yoga-Stunde im Kollegenkreis. Seit Antonias Anstellung hat die naturheilkundliche Medizin immer mehr Einzug in die „Klinik am See“ gehalten. Tickt Sie so etwas privat auch an? Marion Kracht: Antonia kam ja aus Berlin um die Klinik mit diesem „homöopathischen Quatsch“ aufzumischen – und das lag und liegt mir sehr, ja. Ich bin ein absoluter Homöopathie-Fan. Aber auch da gibt es – so wie bei den Schulmedizinern auch – sogenannte Scharlatane, vor denen man sich besser hüten sollte.

Dass heißt, Sie interessieren sich auch privat für diese Dinge – nicht nur in der Rolle? Marion Kracht: Richtig, deshalb habe ich mich unter anderem so über das Rollenangebot gefreut. Ich bin wie gesagt auch im wirklichen Leben sehr der naturbewussten Medizin zugewandt und praktiziere auch privat seit vielen Jahren Yoga. Haben Sie zur Vorbereitung auf die Geburten Ihrer beiden Söhne auch die speziellen Yoga-Übungen für Schwangere genutzt? Marion Kracht: Ja, diese Übungen waren während meiner beiden Schwangerschaften ideal. Wobei Schwangerschafts-Yoga eigentlich nur dann Sinn macht, wenn man diese Entspannungstechnik so wie ich schon vorher erlernt hat. Eine gleichmäßige Atmung, innere Ruhe und ein gutes Körpergefühl sind gute Voraussetzung für eine problemlose Entbindung. Die kürzlich verstorbene Witta Pohl hatte auch eine sehr starke spirituelle Seite. Haben Sie darüber mal miteinander gesprochen? Hat sie Sie womöglich dazu inspiriert? Marion Kracht: Wir haben darüber eigentlich sehr wenig miteinander gesprochen. Und dass ich mich damit so sehr beschäftige und auseinandersetze, hat andere Gründe. Was hat ihr Tod in Ihnen ausgelöst – immerhin standen Sie zehn Jahre lang gemeinsam für „Diese Drombuschs“ vor der Kamera? Marion Kracht: Witta war jemand, mit dem ich unglaublich gerne gearbeitet habe, weil sie einen durch Ihr Spiel beflügelt hat. Ich habe sie als einen sehr warmherzigen Menschen in Erinnerung, was sich ja auch in ihrem starken sozialen Engagement gezeigt hat. Sie war wirklich jemand, der sich für alle eingesetzt hat. Und sie hatte eine ganz bestimmte Lache. Sie hat sehr ausgefallen gelacht. Wenn ich an sie denke, fällt mir immer zuerst dieses Lachen ein. Witta war ein wirklicher Star, weil sie sich nie so benommen hat – das habe ich immer sehr an ihr geschätzt. Zurück zum Film: Auch in dieser Folge beweist Antonia einmal mehr, dass sie sich nicht verbiegen lässt. [Obwohl ihr Mann, Klinikchef Dr. Thomas Hellmann (gespielt von Michael Roll) wegen eines Todesfalls nach einem Kaiserschnitt vorübergehend beurlaubt wird und der Klinikvorstand damit droht, dem „homöopathischen Quatsch“ wieder abzuschaffen, bleibt sie ihrer Überzeugung treu und behält am Ende Recht.] Fielen Ihnen diese Szenen schwer oder stößt sie damit in dasselbe Horn wie Sie? Marion Kracht: Interessant, dass Sie das so sehen. Denn es wird auch oft als Sturheit ausgelegt. So kann man es natürlich auch sehen. Ich finde, sie vertritt einfach nur konsequent ihre Meinung, auch wenn die von ihren Kollegen und Vorgesetzten nicht unbedingt geteilt wird. Sie hängt nunmal nicht ihr Fähnchen in den Wind. Aber vielleicht gehört dazu auch eine gewisse Portion Sturheit. Das mag sein.

Wundern Sie sich manchmal auch, wie schnell einige Menschen Ihre Meinung ändern? Die aktuelle Atom-Diskussion ist dafür ja ein wunderbares Beispiel. Marion Kracht: Ja, manchmal wundert man sich schon sehr. Das stimmt. Ein Zitat von Antonia ist mir besonders in Erinnerung geblieben: Manchmal habe ich Angst, dass wir so viel Glück gar nicht verdient haben, dass von heute auf morgen alles vorbei sein könnte. Hat Glück einen Preis? Marion Kracht: Das wäre mir jetzt zu negativ, weil es bedeuten würde, dass man für alles Gute, was einem passiert, irgendwann auch die Rechnung bezahlen müsste. Wenn man noch jung ist, denkt man häufig, dass man nie wieder aus dem Mist herauskommt, weil man auf einmal das Gefühl hat, es kommt immer noch etwas Schlechtes dazu. Wie sagt man so schön: Der Teufel scheißt auf den größten Haufen. Aber wenn man ein gewisses Alter erreicht hat, dann weiß man, dass es im Leben immer Höhen und Tiefen gibt. Das ist in der Karriere so und dass ist auch im Privaten so. Ich glaube einfach, dass es Phasen gibt, in denen einem alles gelingt, und dann gibt es wieder Phasen, in denen man denkt: Herrgott noch mal, dass kann doch jetzt alles nicht wahr sein! Und dass Einzige, was einem übrig bleibt ist, aus allem zu lernen und zu wissen, dass man aus diesem Tal auch irgendwann wieder herauskommt. Sie gehören zu der Handvoll Schauspielerinnen, die nicht durch Ihre Skandale glänzen, sondern durch Leistung und Präsenz. Wie haben Sie das geschafft? Marion Kracht: Keine Ahnung. Ich kann nur sagen, dass ich nicht zu denjenigen gehöre, die alles planen – weder die Karriere, noch das wirkliche Leben. Wenn ich bei anderen sehe, wie minutiös sie ihr Leben verplanen, mit wem sie wann ausgehen, und mit wem sie wann ins Bett gehen, da kann ich nur staunen. Manchmal denke ich: Ein bisschen was davon wäre vielleicht auch nicht schlecht. Was mir aber nicht gefällt ist, dass heute teilweise gar nicht mehr die Leistung zählt, sondern nur noch, wann man auf welcher Party war und in welcher Zeitung man zuletzt gestanden hat. Einige werden ja nur noch dadurch berühmt, was mir ein absolutes Rätsel ist. Ich bin lieber authentisch. Hätten Sie sich vorstellen können, auch im wirklichen Leben als Hebamme zu arbeiten? Marion Kracht: Ich habe größten Respekt vor diesem Beruf, aber ich hätte nicht den Mut dazu gehabt, solch eine ungeheure Verantwortung zu übernehmen. Da geht es manchmal um Leben und Tod. Wenn ich dagegen als Schauspielerin einen Fehler  mache, ist der Schaden vergleichsweise gering, dann habe ich dem Publikum höchstens einen nicht ganz so schönen Fernsehabend bereitet. Wie haben Sie sich auf Ihre Rolle, speziell die Tätigkeit als Hebamme, vorbereitet? Marion Kracht: Ich habe mich dafür mit der Hebamme zusammengesetzt, die meine beiden Söhne entbunden hat. Sie hat mir vieles erklärt und gezeigt. Das war eine gute Schule.

Viele freiberufliche Hebammen sind im letzten Jahr auf die Barrikaden gegangen, weil die Sätze für ihre Haftpflichtversicherung um mehr als das Dreifache angestiegen sind. Einige mussten sogar ihren Job ganz aufgeben. Wird das in den nächsten Folgen von „Liebe, Babys…“ auch ein Thema sein? Marion Kracht: Das fände ich eine gute Idee, ja. Solche Zustände sind einfach skandalös. Diese Frauen leisten so viel, dass ich es ein absolutes Unding finde, dass ihnen so viele Steine in den Weg gelegt werden. Überhaupt ist Ungerechtigkeit eines der wenigen Dinge, die ich nicht ertragen kann. Da werde ich ziemlich rabiat, auch privat. Auf welche Kriterien würden Sie selbst achten, wenn Sie selbst einmal ins Krankenhaus müssten? Marion Kracht: Ich würde versuchen, in eine anthroposophische Klinik zu kommen und mir einen Arzt aussuchen, der Schulmedizin und alternative Heilmethoden miteinander kombiniert. Vielen Dank für das Gespräch! (Dieses Interview wurde am 12.4.2011 in Hamburg aufgezeichnet und ist durch die Agentur von Marion Kracht freigegeben.)

© Kirsten Gregor 2011

Marion Kracht hat freundlicherweise auch unseren VIP-Fragebogen beantwortet.

Und hier geht’s zum Horoskop der Schauspielerin. Die Basisdaten des Horoskops finden Sie hier.

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2 Antworten auf Interview mit Marion Kracht

  1. Uwe Filthaut sagt:

    Die astro.com – Datenbank verlinkt das Interview in Ihrer Datenbank:

    http://www.astro.com/astro-databank/Kracht,_Marion

  2. Pingback: Marion Kracht | Stars²

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