Interview mit Jan Fedder

Ein sympathischer Dickkopf

Interview mit einem echten Nordlicht:
Schauspieler Jan Fedder

Wenn sich ein waschechter Fischkopp ins tiefste Bayern verirrt, sind Konflikte und Missverständnisse vorprogrammiert. Nicht so bei Pfarrer Jens Steffensen (Jan Fedder), der sich mit seiner erfrischenden Art in seiner neuen Gemeinde in Fischbach beliebt gemacht hat. An seiner Seite: die liebenswerte, wenn auch eigensinnige Haushälterin Sopie (gespielt von Michaela May). Nach dem großen Erfolg des ersten Teils von "Die göttliche Sophie" strahlt das Erste am 15. April 2011 um 20.15 Uhr ein weitere Folge dieser Reihe aus: "Die göttliche Sophie - Das Findelkind".


Pfarrer Steffensen (Jan Fedder) und seine Haushälterin Sophie (Michaela May) würden ihr Findelkind Emil (Maximilian & Manuel Reinthaler) am liebsten gar nicht mehr hergeben. Foto: ARD Degeto/Erika Hauri

Herr Fedder, wie kommt ein eingefleischter Hamburger Fischkopp mit dem eigentümlichen bayerischen Dialekt klar?

Jan Fedder: Ich bin ja schon vor 25 Jahren, beim Dreh zu „Das Boot“ durch die harte bayerische Schule gegangen. Seitdem habe ich keine Verständnisprobleme mehr. (lacht)

Und wie gefällt Ihnen die Landschaft?

Jan Fedder: Bayern ist ein hinreißendes, tolles Land – mit einer wunderschönen Landschaft. Nur dieses Scheiß Rauchverbot, das geht mir auf den Sack! Die haben ja das strengste.

Sie könnten doch draußen rauchen?

Jan Fedder: Ich hab' aber keinen Bock rauszugehen und dann im Regen herumzustehen.

Und wenn Sie drinnen rauchen, werden Sie sofort verhaftet?

Jan Fedder: Kann passieren. Die bayerische Polizei ist nicht ohne, das wird schon sehr ernst genommen. Ich bin zwar Ehrenkommissar von Bayern, aber das nutzt mir auch nicht immer was. (lacht)

Haben Sie gar keine Angst vor Lungenkrebs?

Jan Fedder: Ich war schon beim Lungenarzt. Der sagt: 50% erwischt es, 50% können rauchen, was sie wollen, und es passiert nichts. Ich gehöre wohl zur zweiten Spezies.

Ihre Stimme hat im Laufe der Zeit aber auch ganz schön darunter gelitten.

Jan Fedder: Ja, das stimmt wohl, meine Stimme kommt nicht nur von Buttermilch. (lacht) Ich rauche eben gerne und trinke auch mal was...

Was trinken Sie gern?

Jan Fedder: Bier, und ab und zu mal einen schönen Gin Tonic.

Oder einen Schimmelreiter (Anm.: friesische Spirituosen-Spezialität)?

Jan Fedder: Je nachdem, in welcher Stadt ich gerade drehe. Das ist ja ein sehr regionales Getränk, aber wenn ich in Husum bin, trinke ich gerne mal einen.

Und was trinken Sie in Bayern?

Jan Fedder: Da hat mir das Hotel, in dem ich wohnte, Holsten und Helbing Kümmel besorgt, nachdem ich zur Hotelleitung gesagt hatte: Wenn ihr mir etwas richtig Gutes tun wollt, dann macht mir den Kühlschrank mit Holsten und Helbing Kümmel voll. Das haben die tatsächlich gemacht! Da war ich gleich wieder zuhause. (strahlt)

Vermissen Sie nicht das Meer, wenn Sie in den Bergen sind?

Jan Fedder: Ich finde Berglandschaften faszinierend. Ich habe mir jetzt auf meinem Bauernhof ein eigenes kleines Matterhorn gebaut, aus Findlingen. Und die Leute sind ja auch meistens sehr nett. Die Bayern zieht das Meer an, vielleicht zieht die Norddeutschen das Gebirge an? Wenn man das nur drei Wochen im Jahr hat, ist es völlig in Ordnung.

Pfarrer Jens Steffensen und seine Haushälterin Sophie geben ein schönes, wenn auch platonisches Pärchen ab. Wie haben Sie die Zusammenarbeit mit Michaela May empfunden?

Jan Fedder: Die Michaela ist eine ganz wunderbare Kollegin, mit der man herrlich flachsen kann. Die wahren Stars im Film sind jedoch die Zwillinge, die das Baby spielen.

Im Film geben Sie eine äußerst gute Figur mit den Babys ab. Sie selbst haben aber keine Kinder.

Jan Fedder: Nee, privat habe ich mit Kindern noch nie was am Hut gehabt. Im Beruf ist es okay, weil ich weiß, dass ich sie hinterher wieder abgeben kann.

Wollte Ihre Frau nie welche?

Jan Fedder: Wir haben uns ja erst relativ spät kennengelernt. Kinder waren nie ein Thema bei uns, und das ist auch gut so.

Sie scheinen einen ziemlich starken Freiheitsdrang zu haben?

Jan Fedder: Oh ja, der ist bei mir stärker als alles andere ausgeprägt. Deshalb leben meine Frau und ich auch seit zehn Jahren in getrennten Wohnungen.

Und dann besuchen Sie sich gegenseitig?

Jan Fedder: Ja. Ich sie mehr, als sie mich.

Weil ihr der Weg zu weit ist oder weil sie so unordentlich sind?

Jan Fedder: Ich glaube sie traut sich nicht so recht in meine Junggesellenbude. Aber ich brauche einfach einen Ort, an dem ich tun und lassen kann, was ich will.

Weil Sie das als Kind nicht konnten?

Jan Fedder: Meine Kindheit war nicht immer so ganz einfach, das stimmt schon. Mein Bruder und ich haben einiges entbehrt, aber wir haben nicht gelitten. Insofern war es schon in Ordnung.


In einem noblen Golfhotel stoßen Pfarrer Steffensen (Jan Fedder) und seine Haushälterin Sophie (Michaela May) auf eine Spur, die zur Mutter des kleinen Emil (Maximilian & Manuel Reinthaler) führen könnte. Foto: ARD Degeto/Erika Hauri

Pfarrer Steffensen behält selbst in den brenzligsten Situationen einen kühlen Kopf. Kennen Sie das auch von sich, oder sind Sie eher der ungeduldige Typ?

Jan Fedder: Eigentlich kann ich ganz gut abwarten und die Dinge erst einmal auf mich zukommen lassen. Ich bin schon sehr geduldig, aber auch nachtragend. Wenn man mich ärgert, dann vergesse ich das nie. Das sollte man mit mir nicht machen.

Wann ist bei Ihnen der Punkt erreicht, wo das Augenzwinkern aufhört und Sie so richtig grantig werden?

Jan Fedder: Das gibt es zum Glück nur ganz selten, ganz ganz selten. Aber ich vergesse eben nie. Ich habe ein irrsinnig gutes Gedächtnis und bin wirklich sehr nachtragend.

Als junger Mann haben Sie mal eine Ausbildung zum Tänzer gemacht…

Jan Fedder: Ja, das kam durch meine Mutter. Die war Tänzerin und hat mich gefragt, ob ich mir das auch vorstellen könnte. So bin ich mit 10 auf eine Ballettschule gegangen, die gleichzeitig auch eine Schauspielschule war. Nach drei Jahren war mir das Tanzen aber zu langweilig und ich habe mich ganz für die Schauspielerei entschieden.

Würden Sie sich denn immer noch als guter Tänzer beschreiben?

Jan Fedder: Ich konnte mal ganz gut tanzen, ja. Wenn es darum ging, ein Mädchen zu erobern, habe ich „Satisfaction“ von den Rolling Stones schon so getanzt, dass da was hängen blieb. (lacht)


Manfred Gregor im gespräch mit Jan Fedder. Hamburg, Atlantic Hotel, 2.3.2011

Die Beatles waren nicht so nach Ihrem Geschmack?

Jan Fedder: Nee. Und als dann Deep Purple kamen mit “Child in Time” und “Smoke on the Water” – das war meine Band. Da waren die Stones und die Beatles einfach abgemeldet.

Sie singen gelegentlich selbst in einer Band namens Big Balls. Hatten Sie nie Ambitionen, etwas mehr daraus zu machen?

Jan Fedder: Mir reicht es eigentlich so, wie es ist. Die Musik ist für mich ein schöner Ausgleich zum Beruf. Wenn ich nicht Schauspieler geworden wäre, dann wäre ich wohl Anarchist.

Hier in Deutschland?

Jan Fedder: Ja.

Was sagen Sie heute zur politischen Lage in Deutschland?

Jan Fedder: Politiker sind alle Lügner. Helmut Schmidt ist für mich der letzte ehrliche Politiker. Mit den Rebellionen, die wir gerade in Nordafrika und im Nahen Osten erleben, bin ich mir bis heute nicht sicher, ob es ein Fluch oder doch ein Segen für die Länder ist. Aber lassen Sie uns nicht weiter über Politik reden, sonst raste ich noch aus.

Anfang April feiern Sie Ihr 20jähriges „Großstadtrevier“-Jubiläum und gehören damit sozusagen zu den „Dinosauriern“ im Seriengeschäft. Aussteigen war für Sie nie ein Thema?

Jan Fedder: Wir arbeiten viel, drehen zwischen 16 und 18 Folgen pro Jahr. Wenn mir das keinen Spaß bringen würde, dann würde ich es auch nicht machen.


Die "göttliche" Sophie (Michaela May) kann Pfarrer Steffensen (Jan Fedder) dazu überreden, das kleine Findelkind Emil (Maximilian & Manuel Reinthaler) bis zum Auffinden der Mutter in die Obhut seiner Kirche aufzunehmen. Foto: ARD Degeto/Erika Hauri

Neben Kommissar Matthies vom Großstadtrevier spielen Sie seit mehr als zehn Jahren den Bauern Kurt Brakelmann in der NDR-Serie „Neues aus Büttenwarder“, hinzukommen diverse TV-Filme wie jetzt auch „Die göttliche Sophie“. Wie bereiten Sie sich auf Ihre Rollen vor?

Jan Fedder: Ich bereite mich gar nicht auf meine Rollen vor. Ich gehe da einfach hin und spiele meinen Part. Ich habe inzwischen über 500 Filme und Folgen gedreht. Mir macht keiner was vor.

Aber Sie müssen doch wenigstens vorher den Text lernen...

Jan Fedder: Nee, den gucke ich mir zwei Minuten vorher an. Und dann sitzt er.

Haben Sie ein fotografisches Gedächtnis?

Jan Fedder: So ein bisschen wohl, ja. Ich habe da meine Punkte und Eselsbrücken. Und dann geht das einfach. Den Rest improvisiere ich.

Ist das auch Ihr Erfolgsrezept?

Jan Fedder: Ich weiß nicht. Auf mich ist irgendwie immer alles zugekommen. Ich bin nicht besonders ehrgeizig. Ich denke, ich habe einfach sehr viel Glück gehabt im Leben. Ich bin gläubig und bedanke mich jeden Tag beim lieben Gott. Das ist alles.

(Dieses Interview wurde am 2.3.2011 in Hamburg aufgezeichnet und ist autorisiert.)

Vielen Dank für das Gespräch!

© Kirsten Gregor 2011

 

Das Horoskop von Jan Fedder finden Sie hier.
Und hier geht's zum Interview mit Michaela May.

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4 Antworten auf Interview mit Jan Fedder

  1. Pingback: Peter Heinrich Brix – Horoskop | Stars² Astrologie

  2. Uwe Filthaut sagt:

    Die astro.com – Datenbank verlinkt das Interview in Ihrer Datenbank:

    http://www.astro.com/astro-databank/Fedder,_Jan

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