Ist die Astrologie mit der christlichen Lehre vereinbar? Die Haltung des Christentums zur Astrologie ist von Zeitalter zu Zeitalter verschieden. Der Kirchenvater Augustin stellt die These der „unbedingten Freiheit Gottes” auf. Der Schöpfer kann jederzeit und an jedem Ort in das weltliche Geschehen eingreifen und die Naturgesetze außer Kraft setzen (omnipotenz). Von daher ist die Astrologie uninteressant. Die Situation ändert sich allerdings mit der Eroberung Spaniens durch die Araber. Mit ihnen kehrt die Astrologie, wie auch das aristotelische Weltbild, nach Europa zurück. Es entwickeln sich die Wissenschaften. Und ihre bedeutsamen Vertreter sind zu einem guten Teil auch Astrologen: Kopernikus, Kepler, Paracelsus, Newton (auch Alchimist). Mit dem Beginn der Reformation finden wir Luther als erbitterten Gegner der Astrologie. Sein Mitstreiter und Kirchentheoretiker Melanchton ist allerdings selbst überzeugter und praktizierender Astrologe. Die gleiche Zweiteilung finden wir auch im katholischen Raum, in dem die folgenden Thesen nebeneinander stehen: a) Die Astrologie ist ein bedeutsamer Sektor der Schöpfung, die aus dem Gott hervorgegangen ist. b) Die These der unbedingten Freiheit, nach der auch der Lauf der Sterne nur scheinbar Regeln unterworfen ist. Mit der Aufklärung übrigens ist die Astrologie praktisch ganz von der Bildfläche verschwunden, erlebt jetzt aber eine Renaissance. Man kann zusammenfassen: Sobald die Astrologie deterministisch wird, den Menschen bis in die letzen Fasern seiner Existenz festlegt, entsteht das gleiche Problem wie bei den mechanistischen Naturwissenschaften, die die Freiheit des Menschen verneinen. Dagegen verwahren sich die kirchlichen Lehren. Da aber offensichtlich sowieso nur eine bedingte Freiheit für Menschen vorhanden ist, kann die Astrologie Rahmenbedingungen des menschlichen Daseins darlegen und deuten. Sie stünde damit auf der gleichen Ebene wie jede andere Wissenschaft (z.B. die Naturwissenschaften, die Soziologie oder Psychologie), bleibt aber beweispflichtig. In diesem Sinne steht es jedem Christen völlig frei, ob er einen Astrologen konsultiert oder nicht (oder sich selbst damit befasst). Dieses begrenzte Recht der Astrologie ist von der Kirche nie bestritten worden. Laut Prof. Klaus Koch (ev. Theologe an der Universität Hamburg) ist auch keine grundsätzliche Verlautbarung der Kirchen (ex cathedra) über Astrologie bekannt geworden (auch nicht von der katholischen Kirche). Persönliche Meinungsäußerungen einzelner Theologen sind in dieser Hinsicht also erlaubt, aber ohne weitere theologische Bedeutung.
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Melanchthon und Luther haben laut einer Biographie-Darstellung “vortefflich” über die Astrologie gestritten.
Luther hat selber einen Astro-Kalender drucken lassen, als die Drucker-Kunst weiter fortgeschritten war. Das war damals sehr gefragt, weil doch Astrologie sonst immer etwas für die reicheren Bürger war.